Prof. Dr. Jörg Wills wird bei einer Tagung in Rostock vor Mathematikern aus aller Welt sprechen. Der Mathematikprofessor der Universität Siegen ist fast 90 Jahre alt. Auf dem Programm steht ein Problem, das ihn seit fast sechs Jahrzehnten begleitet: der „Lonely Runner“, die Vermutung des einsamen Läufers. Wills hat sie 1967 formuliert. Gelöst ist das Problem bis heute nicht.
Mehrere Läufer starten gleichzeitig auf einer Kreisbahn. Alle laufen mit konstantem, aber unterschiedlichem Tempo. Die Vermutung besagt, dass irgendwann jeder Läufer für einen Moment „einsam“ ist, also von allen anderen Läufern mindestens ein bestimmtes Stück entfernt ist. „Es klingt wie eine leichte Abi-Aufgabe“, sagt Wills. „Jeder mathematisch etwas begabte Mensch denkt: Das löse ich doch mit links. Geht aber nicht.“