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Günther Unlustig 🍄
slrpnk.net
Guenther_Amanita@slrpnk.netJoined: 2024-05-18 |
Hydroponik wirkt für Viele, insbesondere Anfängern, immer noch sehr abschreckend, während normale Erde oder Kokosfasern als "einfach" gelten. Heute aber will ich eure Meinung zu dem Thema grundlegend ändern. Denn ich stelle euch ein viel zu unbekanntes hydroponisches System vor, das nicht nur für quasi ALLE Pflanzen, egal ob Hanf, Orchideen, Kakteen, Tomaten, Ingwer, oder allem dazwischen, geeignet, sondern zudem total simpel und passiv ist. Es ist quasi ein Hybrid aus Erde und Hydro. Von der Funktionsweise und Vorteilen ist es exakt wie Hydroponik, aber vom Handling her kommt es nah an Erde oder Coco ran. Ich muss zugeben, dass LECA (Lightweight Extended Clay Aggregates, aka. Hydroton, aka. Blähton, aka. Was-Auch-Immer) in den letzten Monaten mein weirdes seltsames Steckenpferd war, und ich in dieser Zeit, nun..., ein "bisschen" Wissen angehäuft habe. Nur ein bisschen, ich schwörs... Dieses Wissen und Begeisterung will ich mit euch teilen. Deshalb könnte ich den Post hier locker 10x länger machen als er jetzt ist, und ich habe immer noch nicht alles gesagt. Genau das spare ich mir hier. Falls ihr die Hydrokultur dann wirklich probieren wollt, seid ihr mit meinem Guide für's erste halbwegs ok aufgehoben, aber ein wenig mehr einlesen schadet bestimmt nicht ;) Besonders, wenn ihr zuvor nie mit Hydro Kontakt hattet. Was ist Blähton?
Viele kennen diese kleinen Tonkügelchen bestimmt nur als Drainagematerial, aber tatsächlich ist es auch ein absolut krasses Medium für Hydroponik. Warum also eignet er sich so gut für den Anbau von Pflanzen? Schauen wir ihn uns doch mal kurz unter dem Mikroskop an.
Wie man sieht, besteht Blähton zum Großteil aus Hohlräumen. Diese können sowohl Feuchtigkeit, als auch Luft einschließen. Viele Leute denken, Blähton sei ein Wasserspeicher. Ist er aber nicht. Bei einem kleinen Test konnte ich herausfinden, dass er maximal 1/3 Wasser aufnehmen kann, und selbst komplett eingeweicht noch recht leicht ist. Erde, Kokosfasern, Steinwolle oder andere Substrate dagegen können ein Vielfaches ihres Eigengewichtes aufsaugen, und geben das Wasser dann auch nur sehr langsam wieder ab. Wieso das relevant ist, erkläre ich euch jetzt. Was sind die Vorteile?Pflanzen lieben es, alles andere nichtWie gerade schon gesagt nimmt Blähton tatsächlich nicht viel Wasser, beziehungsweise in unserem Fall später, Nährlösung, auf. Durch die vielen Hohlräume in und zwischen den Kügelchen sind die Wurzeln enorm viel Sauerstoff ausgesetzt. Die Wurzeln brauchen viel Sauerstoff, sonst ersticken sie. Je mehr, desto besser. Deshalb funktioniert Aeroponik auch so wahnsinnig gut. Was im Volksmund als "Übergießen" bezeichnet wird, ist gar nicht der Zu-Viel-Sein von Wasser, sondern das Zu-Wenig-Sein von Luft, weil diese bei Erde und co. einfach vom Wasser verdrängt wird und es dann zu anaerobischen Bedingungen kommt. Gleichzeitig ist Blähton absolut unappetitlich für alles, was sonst Erde futtert oder darin lebt. Folge: nicht nur hat man das konstante Risiko auf Ungeziefer und Sporenbelastung, sondern die Erde selbst wird immer kompaktierter. Deswegen muss man auch immer wieder Umtopfen, damit die Pflanzen nicht in ihrem eigenen Dreck stehen und daran ersticken. Blähton dagegen ist wie eine Wüste, in der es nichts gibt. Die genannten Nachteile von Erde hat man hier nicht. Das einzige Ungeziefer, das man sich holen kann, ist das, welches die Pflanze selbst frisst, z.B. Blattläuse oder Schnecken. Inert und nachhaltigLECA ist stabil gegenüber Hitze, Kälte und Chemikalien. Zudem bietet es null Nährwert und wird nicht abgebaut. Deswegen kann man es beliebig wiederverwenden und sogar im Backofen backen, um alle Überbleibsel (Wurzeln, etc.) zu verbrennen. "Null Nährwert" klingt erstmal schlecht. Aber das ist genau das geile daran. Den Nährwert bestimmt ihr selbst! Weil es ja perfekte Bedingungen für quasi jede Pflanze bietet, und ihr den Nährstoffbedarf dank flexibler Anpassung der Nährlösung der Pflanzen nicht mehr berücksichtigen müsst, braucht ihr keine Spezialerden mehr. Keine für Orchideen, keine für Sukkulenten, keine für Tomaten, keine für was-auch-immer. Nix da. Nur Blähton. Und Dünger. Immer der selbe. Für alles. In unterschiedlichen Verdünnungen. Sonst nix. Weniger Pflegeaufwand und tschüss RatespieleIhr müsst viel weniger Gießen und Umtopfen. Dadurch, dass wir ein Nährlösungsreservoir haben, dazu komme ich gleich, reicht es oft, wenn wir nur alle paar Wochen mal gießen. Selbst im Hochsommer musste ich nur wöchentlich. Jetzt im Winter noch weniger. Ich habe schon knapp 60-80 Zimmerpflanzen alleine, gar nicht zu schweigen von meinen Nutzpflanzen auf dem Balkon (Sommer) oder Growzelt (Winter). Insgesamt komme ich locker auf ein paar Hundert Pflänzchen geschätzt. Hier ist es nur ein kurzer Blick auf den Gießanzeiger und ich habe Gewissheit. Da das Medium auch nicht kompaktiert oder irgendwann ausgelaugt ist, muss ich auch deutlich seltener umtopfen. Ich habe einige Pflanzen, die in Erde eigentlich schon längst einen Topf größer hätten gehen sollen, aber hier juckt es sie recht wenig, da die Nährstoffe frei transportiert werden können, weil sie ja nicht an die Erde gebunden sind, sondern flüssig herumschwimmen. Das spart nicht nur der Pflanze Stress ;) Ich bin beispielsweise inzwischen voll der Calathea-Fan geworden. Die gelten ja überall als "Total die Divas" und sehen oft schon beim Kauf im Gartencenter traurig aus. Bei mir wachsen die aber wie Unkraut und sind total happy, obwohl ich nichts mache c: Zudem haben sämtliche Ratespiele ab jetzt ein Ende (oder sind zumindest vereinfacht). Ihr könnt nicht zu viel Gießen, weil ihr euch an den Gießanzeiger haltet. Vertrocknen tut euch nichts, solange er oberhalb von "Minimum" ist. Und dadurch, dass man im Optimalfall immer ein pH-Meter und Leitfähigkeitsmessgerät zur Hand hat, kann man jederzeit, wenn die Pflanze nicht so toll aussieht, oder routinemäßig, schnell messen und direkt erkennen, wann die Pflanze langsam überdüngt sein oder Mängel kriegen wird, oder auch mit etwas Erfahrung am pH, welche Nährstoffe bevorzugt aufgenommen werden. Mein SetupFür mein Setup benötigt man folgendes:
Das sieht dann am Ende so aus:
(Die Grafik kommt nicht von mir, ich fand sie nur gut und hab sie zufällig auf meinem Handy wiedergefunden. Keine Ahnung woher die kam) PflegeroutineIch gieße immer mit Nährlösung. Dafür hab ich mir eine Vormischung mit einem Leitwert von 3 mS angesetzt, die ich, je nach Bedarf, auf 1/3 bis gar nicht verdünne. Normalerweise, für die meisten Pflanzen, reichen 1-1,5 mS. Benutzt als Wasser ausschließlich mineralstoffarmes Wasser wenn möglich, z.B. Regenwasser. Zu kalkreiches Wasser kann den pH mit der Zeit zu sehr erhöhen. Gelegentlich spüle ich das Substrat durch, indem ich den Innentopf rausnehme und ihn unter lauwarmen fließendes Wasser halte. Danach fülle ich die Nährlösung wieder auf "Optimum" auf. Mehr als Optimum sollte man höchstens kurzfristig machen. Hin und wieder kann man gerne mal die übrig gebliebene Nährlösung testen, um zu sehen, wie sie sich vom pH und EC verändert hat. Daran gemessen kann man gut die Düngermenge anpassen. Das Flushing ist wichtig, um vorhandene verrottende Erdreste und Düngerrückstände im Topf auszuspülen. Damit hält man alles schön sauber und setzt es auf Stand Null zurück. Ansonsten mach ich eigentlich gar nichts. Alle paar Wochen gießen (immer einfach nur draufballern), alle paar Male flushen, und dabei auf irgendwelche Auffälligkeiten achten. Joa... ansonsten gibt's eigentlich nichts weiteres zu erzählen. Wenn ihr Fragen habt, schießt gerne los! :) |
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